EU Safe Hearts Plan

Am 25. Februar 2026 fand im Europäischen Parlament in Brüssel die Veranstaltung „EU Safe Hearts Plan: Strengthening Care Through a Standardised Health Check Protocol“ statt. Gastgeber war der Europaabgeordnete Tomislav Sokol. Vertreter:innen aus Politik, Medizin, Forschung und Patientenorganisationen diskutierten darüber, wie die Früherkennung und Versorgung bei strukturellen Herzerkrankungen in Europa verbessert werden kann.

Im Mittelpunkt stand die Frage, welche politischen Maßnahmen notwendig sind, um Herzklappenerkrankungen früher zu erkennen, Ungleichheiten im Zugang zur Versorgung zu reduzieren und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Hausärzt:innen, Spezialist:innen und Herzteams zu erreichen.

Früherkennung rettet Leben

Herzklappenerkrankungen entwickeln sich häufig über viele Jahre. Symptome wie Kurzatmigkeit, Müdigkeit oder Schwindel werden jedoch oft lange nicht mit einer Herzerkrankung in Verbindung gebracht. Dadurch erfolgt die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium.

Ein zentraler Ansatz des diskutierten EU Safe Hearts Plan ist daher ein standardisiertes Gesundheitscheck-Protokoll. Ziel ist es, Risikopatient:innen früher zu identifizieren und den Zugang zu diagnostischen Untersuchungen – etwa zur Echokardiographie – zu erleichtern.

Versorgungslücken aus Patientensicht

Auch die Perspektive der Patientinnen und Patienten spielte bei der Veranstaltung eine wichtige Rolle. Jens Näumann von Initiative Herzklappe brachte seine Erfahrungen als Herzklappenpatient in die Diskussion ein.

Aus Sicht der Betroffenen bestehen weiterhin mehrere strukturelle Herausforderungen:

  • Zu wenig Aufmerksamkeit für Symptome in der hausärztlichen Versorgung. Bereits eine einfache Untersuchung mit dem Stethoskop kann Hinweise auf eine Herzklappenerkrankung geben und eine frühzeitige Überweisung ermöglichen.
  • Ungleicher Zugang zu Fachärzt:innen. Patientinnen und Patienten müssen häufig lange auf Termine bei Kardiolog:innen warten. Wer gut informiert ist oder über ein starkes Netzwerk verfügt, gelangt oft schneller zu weiterführender Diagnostik.
  • Geschlechterunterschiede in der Diagnose. Frauen werden bei Herzklappenerkrankungen häufig später diagnostiziert und behandelt. Eine geschlechtersensible Medizin ist daher entscheidend.
  • Regionale Unterschiede im Zugang zur Versorgung. In ländlichen Regionen erschweren Fachkräftemangel und längere Wege den Zugang zu spezialisierter Diagnostik.

Patientenorganisationen als wichtige Partner

Die Diskussion machte deutlich, dass Patientenorganisationen eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der Gesundheitssysteme spielen. Sie bringen die Erfahrungen der Betroffenen in politische Prozesse ein und helfen dabei, Versorgungslücken sichtbar zu machen.

Damit der EU Safe Hearts Plan tatsächlich Wirkung entfalten kann, braucht es vor allem drei Dinge: einen niedrigschwelligen Zugang zur Diagnostik, eine geschlechtersensible und datenbasierte Versorgung sowie besser koordinierte Behandlungspfade.

Denn echte Chancengleichheit in der Herzmedizin beginnt bereits bei der frühen Diagnose – lange bevor eine Behandlung notwendig wird.