Europa setzt den Rahmen – Deutschland muss jetzt liefern

Wie kann die Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachhaltig verbessert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zum EU Safe Hearts Plan am 8. Juli 2026 in Berlin, an der Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Medizin und Patientenorganisationen teilnahmen. Veranstaltet wurde der Austausch von „Im Puls. Think Tank Herz-Kreislauf“.

Für die Initiative Herzklappe e.V. brachte Geschäftsführer Jens Näumann die Perspektive der Patient:innen ein. Seine zentrale Botschaft: Mit dem EU Safe Hearts Plan liegt erstmals ein gemeinsamer strategischer europäischer Rahmen vor, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksamer vorzubeugen sowie Früherkennung und Versorgung nachhaltig zu verbessern. Nun müsse Deutschland die darin formulierten Ziele konsequent in nationales Gesundheitshandeln überführen.

Deutschlands größte Gesundheitsherausforderung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind trotz erheblicher medizinischer Fortschritte weiterhin die häufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich sterben rund 340.000 Menschen an ihren Folgen; die volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf etwa 68 Milliarden Euro.

Gleichzeitig bleiben erhebliche Versorgungspotenziale ungenutzt: Nach aktuellen Daten erreicht lediglich etwa jede achte Patientin beziehungsweise jeder achte Patient die empfohlenen LDL-Cholesterin-Zielwerte. Viele Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere schwerwiegende Folgeerkrankungen wären vermeidbar.

Die Diskussion machte deutlich: Es fehlt nicht an wissenschaftlicher Evidenz oder wirksamen Therapien, sondern an einer konsequenten Umsetzung bestehender Leitlinien und einer systematischen Steuerung der Versorgung.

Von europäischen Zielen zu nationalem Handeln

Der EU Safe Hearts Plan bietet die Chance, die Herz-Kreislauf-Versorgung nachhaltig zu verbessern. Jetzt entscheidet sich, ob Deutschland diesen europäischen Rahmen aktiv gestaltet und in verbindliches nationales Handeln übersetzt. Dafür braucht es eine Nationale Herz-Kreislauf-Strategie.

Aus Sicht der Initiative Herzklappe stehen dabei vier Handlungsfelder im Mittelpunkt:

  • die konsequente und verbindliche Umsetzung des EU Safe Hearts Plans in nationales Gesundheitshandeln,
  • eine transparente Qualitätsmessung durch Register, die konsequente Nutzung von Versorgungsdaten und eine systematische Evaluation,
  • der konsequente Ausbau von Prävention und Früherkennung als gesundheitspolitische Prioritäten,
  • die verbindliche Anerkennung und Einbindung von Patientenorganisationen als gleichberechtigte Stakeholder im Healthcare Ecosystem – von der Entwicklung bis zur Umsetzung einer Nationalen Herz-Kreislauf-Strategie.

Patientenperspektive stärkt die Versorgung

Eine moderne Herz-Kreislauf-Strategie kann nur gelingen, wenn Betroffene systematisch einbezogen werden. Patientenorganisationen machen Versorgungslücken sichtbar, bewerten Maßnahmen aus der Perspektive der Betroffenen und tragen dazu bei, politische Entscheidungen praxisnah weiterzuentwickeln. Wer Versorgung nachhaltig verbessern will, muss diejenigen beteiligen, die ihre Auswirkungen jeden Tag erleben. Eine zukunftsfähige Versorgung entsteht deshalb im partnerschaftlichen Dialog zwischen Politik, Medizin, Wissenschaft und Patient:innen.

Gemeinsames Verständnis – jetzt braucht es Umsetzung

Neben der Initiative Herzklappe diskutierten Markus Busch, Thomas F. Lüscher, Ksenija Stach, Stefan Schreck und Benjamin Ettle über die Zukunft der Herz-Kreislauf-Versorgung in Deutschland.

Die Veranstaltung zeigte: Über die zentralen Herausforderungen und notwendigen Maßnahmen besteht weitgehend Einigkeit. Jetzt kommt es darauf an, den europäischen Rahmen in konkrete gesundheitspolitische Reformen zu übersetzen und eine evidenzbasierte, sektorenübergreifende Herz-Kreislauf-Strategie konsequent umzusetzen.

Für die Initiative Herzklappe steht fest: Prävention, Früherkennung, datenbasierte Qualitätsentwicklung und die verbindliche Beteiligung von Patient:innen dürfen nicht als Zukunftsaufgaben verstanden werden, sondern müssen bereits heute zentrale Bestandteile einer modernen Gesundheitsversorgung sein. Der EU Safe Hearts Plan liefert den strategischen Rahmen – jetzt muss Deutschland handeln.