Initiative Herzklappe reicht Ideenskizze zur Verbesserung von Behandlungswegen beim gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ein

Oft zu spät erkannt, lange Wartezeiten und fehlende Absprachen: Probleme im Behandlungsweg von Herzklappenpatienten

Mit der steigenden Anzahl älterer Menschen in Deutschland steigt auch die Zahl der Menschen mit einer Herzklappenerkrankung. Heute ist bereits jeder achte der über 75-Jährigen davon betroffen. Laut einer europaweit durchgeführten Studie sind jedoch etwa 30 Prozent der über 65-Jährigen die Symptome und Folgen einer Herzklappenerkrankung nicht bekannt. Die Initiative Herzklappe setzt sich deswegen für ein größeres Bewusstsein für Herzklappenerkrankungen in Deutschland ein. Doch nicht nur von Patienten selbst werden die Symptome oft nicht identifiziert, auch in der ambulanten Versorgung werden Symptome von Herzklappenerkrankungen oft nicht rechtzeitig erkannt. Ein weiteres Problem in der Versorgungskette von Herzklappenpatienten sind langen Wartezeiten bei Fachärzten. Dieses Problem ist bekannt und wird bereits auf Bundesebene durch das von Gesundheitsminister Jens Spahn auf den Weg gebrachte „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ (TSVG) anerkannt und angegangen. Durch die fehlende Kommunikation zwischen Allgemeinärzten, Kardiologen und der über die Therapie entscheidenden Herzteams bzw. Kliniken werden bildgebende Untersuchungen oft doppelt durchgeführt, was zusätzliche Kosten verursacht und zu längeren stationären Aufenthalten der Patienten führt. Um diese Probleme im Behandlungsweg von Herzklappenpatienten anzugehen und zu verbessern, hat die Initiative Herzklappe unter Federführung des Vorstandsmitglieds PD Dr. Florian Krackhardt eine Ideenskizze für ein Modellprojekt zur Verbesserung des Behandlungsweges für Herzklappenpatienten beim Innovationsfonds des gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingereicht.

Förderung für bessere medizinische Versorgung und Vernetzung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der sich aus den großen Selbstverwaltungsorganisationen im Gesundheitssystem – der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der Krankenkassen – zusammensetzt,  hat den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen sowie Forschungsprojekte zu fördern, die die medizinische Versorgung in Deutschland verbessern. Der dafür ins Leben gerufene Innovationsfonds fördert Projekte in Deutschland, die eine Verbesserung und Weiterentwicklung von Versorgung ermöglichen. In der aktuellen Förderausschreibung, an der sich die Initiative Herzklappe gemeinsam mit PD Dr. Florian Krackhardt beteiligt hat, werden insbesondere Angebote gefördert, die eine Weiterentwicklung der sektorenübergreifenden Versorgung zum Ziel haben, d.h. die die verschiedenen Akteure, wie Allgemeinärzte, Fachärzte, Herzteams und Kliniken, besser miteinander vernetzen.

In einem zweistufigen Antragverfahren können zuerst Ideenskizzen für neue Versorgungsformen eingereicht werden. Der Innovationsausschuss entscheidet dann, welche Ideenskizzen zur Konzeptentwicklung bzw. Ausarbeitung eines Vollantrags gefördert werden. In der Konzeptentwicklungsphase werden die Vollanträge ausgearbeitet.

Ideenskizze zum Modellprojekt für ein Behandlungsnetzwerk von Herzklappenerkrankungen

Die Ideenskizze der Initiative Herzklappe setzt auf bessere Aufklärung und Vernetzung der beteiligten Stellen auf dem Diagnose- und Behandlungsweg von Herzklappenpatienten. Das skizzierte Projekt soll die Probleme in der Versorgungskette identifizieren und verbessern: Erstens soll die Gesamtbevölkerung über Herzklappenerkrankungen aufgeklärt werden, so dass Patienten eventuelle Symptome frühzeitig erkennen und zum Arzt gehen. Zweitens sollen Fachärzte für Allgemeinmedizin stärker für Symptome von Herzklappenerkrankungen sensibilisiert werden. Und drittens soll schwerpunktmäßig ein exemplarisches Netzwerk aus Allgemeinmedizinpraxen, Facharztpraxen und Kliniken geschaffen werden, welches – ähnlich wie es beispielsweise im Falle von Herzinsuffizienzen bereits festgelegt wurde- eine optimale Diagnose- und Behandlungskette ermöglicht und eine langfristige Lösung zur Verbesserung der Versorgungsstruktur von Herzklappenpatienten erprobt. Ziel ist es dabei sowohl die Behandlungswege der Patienten vor dem Klappeneingriff an einer Klinik als auch die stationäre Behandlung selbst effizienter zu gestalten und zu verkürzen. Das Projekt sollte zunächst als Modellprojekt angelegt sein und so für eine Region ein Best Practice Beispiel für optimale Versorgungsstrukturen bei Herzklappenerkrankungen erarbeiten. Anschließend könnte das Projekt im Idealfall bundesweit übertragen werden.

Wir warten gespannt auf die Beurteilung durch den Innovationsfonds Anfang des neuen Jahres und drücken uns die Daumen, dass wir mit unserem Vorschlag zur Verbesserung von Diagnose und Behandlung von Herzklappenerkrankungen in Deutschland beitragen können.